Das Dorfbild von Lützerath wurde Jahrhunderte lang durch große Gutshöfe geprägt. Einer
dieser Höfe war der Gutshof, der in den Besitz des 1234 gegründeten Klosters Duissern vor den
Toren der Stadt Duisburg gelangte und seither Duisserner Hof genannt wurde.

Das Kloster Duissern bei Duisburg 1566

Er wurde als Halfenhof betrieben. Ursprünglich
bewirtschaftete ein „Halbwinner“ für die Hälfte des
Ertrages den Hof. Später wurde daraus ein festes
Pächterverhältnis. Im 18. Jahrhundert kam es zu einer
Hebung des Wohlstandes und so konnte 1763 der Hof
neu erbaut werden. Wesentliche Teile, darunter das
Wohnhaus, sind aus dieser Zeit erhalten geblieben.
Nachdem der Hof im Zuge der Säkularisierung unter
Napoleon dem Kloster entzogen und in Aachen öffentlich versteigert wurde, gelangte der Hof
in Besitz der „Halfen“ und durch Einheiratung an die Familien Helpenstein und Heukamp.
Auf Grund seiner geschichtlichen und kulturhistorischen Bedeutung hat der Rat der Stadt
Erkelenz 1993 beschlossen, den Hof in die Denkmalliste der Stadt einzutragen. Anders als es
in vielen anderen Orten üblich ist, wurde jedoch bisher keine Denkmalplaketten an den
Denkmälern in Lützerath angebracht, so dass der Besucher des Dorfes nicht erkennen konnte,
welche Baudenkmäler er vor sich hat.

Der Duisserner Hof 2020. An die klösterliche Vorgeschichte erinnert das Kreuz-Wappen im
Giebel der Scheune

Dies hat die Initiative „Denk mal an der Kante“ zum Anlass genommen, das nachzuholen und
eine Denkmalplakette fertigen lassen, die am Freitag, 23. Juli 2021 feierlich am Hof angebracht
wurde. Allerdings gab es zunächst einmal eine Panne, denn vor lauter Aufregung hatte der letzte
Landwirt von Lützerath, Eckehard Heukamp, das gute Stück verlegt. Das Künstlerpaar Helge
und Saxana, die zur Zeit in der Remise des Hofes ein „Vor-Ort-Atelier“ eingerichtet hatten,
wussten spontane Abhilfe zu schaffe und gestalteten für die feierliche Anbringung ein
originelles Kleinkunstwerk, das an die offizielle Plakette erinnert.


Seit dem 23. Juli 2021 für jedermann erkennbar: Dieser Hof ist kulturelles Erbgut

Sprecherin der Initiative Mirjam Gey: „Wir haben für den Tag des offenen Denkmals am 12.
September auch diesen Hof angemeldet. Dann haben Besucher auch die Möglichkeit, mal durch
das Hoftor eintreten zu können und den Innenhof auf sich wirken zu lassen.“ Bis dahin wird die
Originalplakette das Hoftor schmücken.
Dr. Chris Wiltsch von der Initiative fügt hinzu: „Das Anbringen von Denkmalplaketten leitet
sich von der Haager Konvention zum Schutz von Kulturgütern aus dem Jahre 1954 her. Mit der
Einführung des Denkmalschutzgesetzes in NRW im Jahr 1988 wurde die Plakette per Erlass
eingeführt. Leider hat die Kennzeichnung von Denkmälern auch zum Gegenteil geführt. Immer
wieder wurden die Denkmäler von Menschen, die vertrieben wurden, bewusst zerstört um ihnen
auch die Heimat zu rauben.“


Die amtliche Vorgabe für eine Denkmalplakette in NRW

Lützerath hat laut Denkmalliste der Stadt Erkelenz drei Denkmäler.
Das an den Duisserner Hof von Eckhard Heukamp angrenzende
Missionskreuz von 1863, satte 100 Jahre jünger als der Hof, wurde
2014 bereits nach Vandalismus abgebaut. Nur die kapellenartige
Umfassungsmauer erinnert noch an dieses Denkmal.

 

Am Standort des Missionskreuzes von 1866 erinnert das Aachener Friedenskreuz an die
eigentliche Funktion dieses verwunschenen Ortes. Das Friedenskreuz aus Wackersdorf, das
1988 nach Gorleben kam und durch den Kreuzweg für die Schöpfung unterwegs zu diesem
Standort ist, wird ab dem 1. August 2021 hier ebenfalls seinen Platz finden.

Vor wenigen Monaten wurde das dritte Denkmal, ein als Wegekreuz genutztes ehemaliges
Friedhofskreuz aus Immerath entfernt. Es hatte an die aus Lützerath stammende Gertrud
Velders, gt. Fleusters erinnert, die am 27.3.1790 verstorben war. Somit ist der Duisserner Hof
das letzte noch vorhandene Kulturdenkmal vor Ort.

Das ehemalige Grabkreuz der Gertrud Velder-Fleusters vom Friedhof an der Immerather
Kirche (2021 demontiert)
Für „Denk mal an der Kante“: Dr. Chris Wiltsch